Auftraggeber
Uniper Kraftwerke GmbH
Bauzeit
September 2024 – November 2025
Leistungen
- Bohr- und Sprengtechnik
- Durchführung von Bohr- und Sprengarbeiten
- Planung von Bohr- und Sprengarbeiten
Realisiert durch
Regrata Abbruch und Recycling
Profil anzeigenThüringer Sprenggesellschaft
Profil anzeigenProjektinformationen
Am 22. November 2025 markierte eine weithin sichtbare und hörbare Zäsur im Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen den nächsten entscheidenden Schritt in der Transformation des Energiestandorts. Um Platz für eine moderne, wasserstofffähige GuD-Anlage zu schaffen, musste das 118 Meter hohe Kesselhaus von Block F weichen. Dieses Projekt steht exemplarisch für den gesellschaftlichen Wandel weg von der Kohle hin zu zukunftsfähigen Energieträgern – und für die technische Exzellenz der Matthäi-Gruppe bei der Bewältigung solch komplexer Rückbaumaßnahmen.
Die Herausforderung lag hierbei in der hohen Kunst der Sprengtechnik: Es galt, drei baulich eng verzahnte Objekte – das Kesselhaus, den Luftvorwärmer (LUVO) und den Treppenturm – in einem einzigen Zündgang, aber mit unterschiedlichen Fall- und Falttechniken niederzulegen.
Besonders beeindruckt hat die nahtlose Synergie innerhalb der Matthäi-Gruppe: Von der Planung, Statik und den aufwendigen Vorbereitungen (Vorschwächung, Sanierung), die seit September 2024 durch Regrata erfolgten, bis zur finalen Zündung durch die Thüringer Sprenggesellschaft (TSG), kam alles aus einer Hand.
Das Herzstück der Maßnahme bildete die innovative Wasservollraumsprengung der massiven Kesselstützen. Dabei wurden ca. 70.000 Liter Wasser pro Stütze eingesetzt, um die Stahlkonstruktion sicher zu trennen. Es kam eine nichtelektrische Zündung in Kombination mit einer elektronischen Zündung zum Einsatz, durch die Kesselhaus und LUVO wie geplant in die vorgegebene Richtung fielen, während der nur vier Meter entfernte Treppenturm 3,5 Sekunden früher sicher in sich gefaltet wurde. Trotz der enormen bewegten Massen und der innerstädtischen Lage konnten so Erschütterungen minimiert und höchste Sicherheitsstandards – unter anderem durch einen 500-Meter-Sperrkreis – gewährleistet werden.
Fakten und Sprengdaten:
- Objekthöhe: ca. 118 m (Kesselhaus)
- Gesamtgewicht: ca. 25.000 t (Stahl und Massivbau)
- Sprengumfang: 3 Objekte in einem Zündgang (Kesselhaus, LUVO, Treppenturm)
- Verfahren: Kombination aus Wasservollraumsprengung (Stahl), Schneidladungen (Stahl) und Bohrlochladungen (Stahlbeton)
- Einsatzmittel: ca. 70.000 Liter Wasser pro Kesselstütze
- Timing: 3,5 Sekunden Verzögerung zwischen Kesselhaus und Treppenturm
- Technik: Hybrides Zündsystem (elektronisch und nichtelektrisch)